Raum für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe

Mahnen und Beten für unsere Stadt – 13. und 19. Februar in Dresden

Im Zusammenhang mit dem Gedenktag zur Zerstörung Dresdens am 13. Februar haben rechtsextremistische Gruppen erneut angekündigt, dieses Gedenken für ihre Zwecke nutzen zu wollen.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, dem nicht tatenlos zuzusehen. Wenn die Schrecken des Krieges instrumentalisiert werden sollen, um Feindbilder zu nähren und die Schuld der Schuldigen zu leugnen, ist Widerspruch gefordert.

  • Am 13. Februar 2011 ruft die Stadt Dresden zu einer Menschenkette auf, welche in diesem Jahr über die Brücken führen soll um die Innenstadt symbolisch einzuschließen. Bitte beteiligen Sie sich zahlreich an dieser Menschenkette.
  • Größere rechtsextreme Demonstrationen sind für den darauffolgenden Samstag, den 19. Februar 2011 angekündigt. Die Christen der Stadt sind aufgerufen, dagegen mit Mahnwachen vor ihren Kirchen sichtbare Zeichen für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu setzen. Mahnen und Beten – das sind die ureigensten Mittel der Christen.

Suchet der Stadt Bestes“ rief der Prophet Jeremia die Israeliten auf, die sich im Exil befanden. Betet um und für SCHALOM, den umfassenden Frieden, mahnt überall dort, wo dieser Friede in Gefahr ist.

Mit Mahnwachen setzen Christinnen und Christen ein deutliches Zeichen für den Frieden, für Mitmenschlichkeit, gegen jede menschenfeindliche Ideologie, die sich in der Stadt breit machen will.


Material zur Unterstützung der Mahnwachen

 


Mahnwachen-Hotline:

Die Polizei hat mitgeteilt, dass am 19. Februar alle Anforderungen von Unterstützung über die zentrale Lagestelle erfolgen, die über die Telefonnummer 110 erreicht wird.

Für Rückfragen zur Organisation erhalten die Versammlungsleiter per eMail die Handynummern der zuständigen Superintendenturen.


Fragen und Antworten zu den Mahnwachen

 

Frage: Vor unserer Kirche kommt bestimmt kein rechtsextremer Aufmarsch vorbei. Wir sind viel zu weit außerhalb/zu klein/zu versteckt…. Warum soll bei uns eine Mahnwache sein? Was bringt das?

Antwort: Auch in kleinen Randgemeinden sind Mahnwachen wichtig. Dafür gibt es drei Gründe:

1) Gott hört Gebete auch in Gemeinden am Rande der Stadt. Die Mahnwachen wollen an die Tradition der Friedensgebete anknüpfen. Wir glauben, dass unsere Gebete nicht umsonst sind. Wenn sich an diesem Tag ein Gebetsnetz durch die gesamte Stadt spannt, dann wird dies nicht ohne Wirkung bleiben. Gebete sind nicht nur am Ort des Geschehens sinnvoll, sondern überall, wo Christen zusammen kommen.

2) Eine Mahnwache ist ein öffentlich sichtbares Zeugnis. Den Bewohnern in dem Stadtteil wird damit gezeigt: Hier sind Menschen, denen das Schicksal ihrer Umgebung nicht gleichgültig ist. Sie engagieren sich für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe und beziehen darum gegen rechtsextremistische Parolen deutlich Position. Das ist nicht nur im Innenstadtbereich wichtig. Mit der Mahnwache geben Sie den Bürgern in ihrer Umgebung die Möglichkeit, sich dieser Haltung anzuschließen und dies in ihrem Wohnort auszudrücken. Darum soll die Mahnwache – trotz Winter – nicht in der Kirche, sondern auf dem öffentlichen Platz vor der Kirche stattfinden.

Eine solche Mahnwache kann und soll ein Kristallisationspunkt auch für andere Bürger werden, die sich gegen eine missbräuchliche Instrumentalisierung der Zerstörung Dresdens zu rechtsextremer Propaganda zur Wehr setzen wollen. Es ist nötig, an die Geschichte zu erinnern, weil so viele die Geschichte vergessen wollen. Laden Sie dazu die Menschen in Ihrer Umgebung ein!

3) Dezentrale Mahnwachen segmentieren den öffentlichen Raum. Es hilft den Ordnungsbehörden, den rechtsextremen Aufmarsch zu begrenzen, wenn an möglichst vielen unterschiedlichen Stellen im Stadtgebiet Veranstaltungen zugleich stattfinden. Dazu müssen diese angemeldet sein. Die Mahnwachen sind damit ein Mittel, im vertrauten Gebiet und auf legalem Weg den rechtsextremen Aufmärschen wirksamen Widerstand entgegen zu setzen.

 

Frage: Wenn aber doch rechtsextreme Truppen vorbei ziehen – wie soll unsere kleine Mahnwachengruppe sie daran hindern? Was, wenn sie gewalttätig werden?

Antwort: Es geht bei den Mahnwachen nicht um Straßensperren und Barrikadenkampf. Das ist eine ganz unpassende Vorstellung. Der Sinn der Mahnwachen liegt in Mahnung, Gebet und deutlich sichtbaren Widerspruch gegen rechtsextreme Vereinnahmung des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens.

Die Mahnwachen werden, da sie ordentlich angemeldet sind, auch in das Schutzkonzept der Polizei mit einbezogen.

Sollten dennoch – was nicht zu erwarten ist – größere Gruppen rechtsextremer Demonstranten ohne Polizeibegleitung auftauchen und Auseinandersetzungen provozieren, wäre ein Rückzug in die Kirche angemessen und widerspricht dem Gedanken der Mahnwachen nicht.

Frage: Kommt durch solche Mahnwachen und die ganzen Aktionen nicht diesen Leuten eine Aufmerksamkeit zu, die sie gar nicht verdienen? Wird nicht diese Strömung erst groß, indem man das eigene Handeln durch sie leiten lässt?

Antwort: Ein enschiedenes Nein! Es ist kein wirksamer Schutz gegen rechtsextreme Umtriebe, wenn man sie ignoriert. Das dämpft sie in keiner Weise. Eine Reaktion in Form von deutlichem Protest stärkt diese Gruppen auch nicht, im Gegenteil. Schweigen schützt nicht, denn das Schweigen der Masse wird als Zustimmung gedeutet. Die Marschierer reden sich ein, sie würden die Stimme des Volkes verkörpern. Sie wandern mit Transparenten „Wir sind das Volk“ – obwohl sie eine kleine Minderheit darstellen.  Aber wenn die Bevölkerung sich diese Repräsentanz gefallen lässt, dann wird sie gestärkt. Darum sind Mahnwachen und alle anderen deutlichen Handlungen des Widerspruches wichtig.