Martinsaufruf

der christlichen Kirchen in Sachsen zum Martinstag am 11. 11. 2014

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)
Am Martinstag erinnern die christlichen Kirchen an die Legende von dem römischen Offizier Martin, der sein Gewand geteilt hat, um damit einen Bettler vor dem Erfrieren zu retten. Im Einsatz für den Nächsten, der in Not ist und Hilfe braucht, verwirklicht sich die christliche Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen. Sie wird sichtbar in der Nächstenliebe. Diese Liebe fragt nicht nach den Grenzen von Herkunft und Religion. Sie orientiert sich an der konkreten Not.

Heute sind wir konkret gefragt, Flüchtlingen, die aus Krieg und Bedrängnis zu uns gekommen sind, mit Freundlichkeit und Hilfe zu begegnen. Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, dass in Dresden eine Demonstrationsbewegung namens PEGIDA Zulauf hat, die die Angst vor islamistischem Terror benutzt, um Stimmung gegen Flüchtlinge und überhaupt gegen Ausländer zu machen. Der angebliche Aufruf zur Verteidigung des Abendlandes entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als religiös verbrämter Rassismus. Der Hass gegen den Islam und die Ablehnung der Aufnahme Asylsuchender bestimmen die Positionen der PEGIDA. Darauf haben der Sächsische Flüchtlingsrat sowie Religionsgemeinschaften und Initiativen aus Dresden hingewiesen.

Die Botschaft des Martinsfestes ist eine andere:

•  Es ist die Botschaft des Friedens:  Der Soldat Martin benutzte sein Schwert nicht um zu töten, sondern um Leben zu retten. So sind auch wir gefragt, dass wir uns – jede und jeder an seinem Ort – für Frieden und Verständigung unter den Völkern einsetzen und jeder Form von Gewalt und jedem Aufruf zum Hass entgegentreten.

•  Es ist die Botschaft des Teilens: Martin hat etwas von seinem Besitz abgegeben, um einen anderen zu helfen. So sind auch wir gefragt, etwas von unserem Reichtum zu teilen, damit andere leben können.

• Es ist die Botschaft der Liebe:  Martin hat vielleicht in dem Bettler Christus erkannt.  So können auch wir es wagen, anderen Menschen mit Offenheit zu begegnen und in Ihnen das Antlitz Christi zu entdecken.

In diesem Sinn ist Martin für uns ganz aktuell.

Pfr. Jens Schmidt, Vors. ACK Sachsen / Alt-Katholisches Bistum, Dresden
Pastor Alexander Neufeld, Stadtökumenekreis Dresden
Sup. Christian Behr, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden-Mitte
Sup. Albrecht Nollau, Ev.-Luth. Kirchenbezirk Dresden-Nord
Dompfarrer Norbert Büchner, Dekan der röm.-kath. Gemeinden in Dresden
Reiner Wanke, Pax Christi Dresden
Annemarie Müller, Ökumenisches Informationszentrum Dresden
Dr. Harald Lamprecht, AG Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus