„Demokratie im Dialog“ Frauenkonferenz der EVLKS am 9. Oktober 2021

Am 9. Oktober exponierte die Frauenarbeit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens auf ihrer Frauenkonferenz in Dresden die Themen des ersten deutsch-deutschen Frauenkongresses 1990.

In Workshops mit Expertinnen aus Politik und Wissenschaft debattierten am Samstag im Haus der Kirche Frauen aus Sachsen über Erwerbsarbeit, Häusliche Gewalt, Familienbilder und Frauenwiderstand.

Die Grußworte sprachen Staatssekretärin Dr. Gesine Märtens (Sächsisches Staatsministerium der Justiz und für Demokratie, Europa und Gleichstellung) und Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte (Ev.-Luth. Landeskirchenamt). Dr. Jessica Bock, die als Historikerin zur Frauenbewegung im ehemaligen Ost- und Westdeutschland forscht, stellte in ihrem Impulsvortrag ihre aktuelle Perspektive auf Frauensolidarität dar. Analog zum Format des ersten deutsch-deutschen Frauenkongresses tauschten sich die Frauen in Workshops aus. In dem abschließenden Gottesdienst motivierte Pfarrerin und Beirätin Annette Kalettka einen Vergleich des Formates mit den Frauenbewegungen der ersten Christengemeinden.

Die Pressemitteilungen zur Veranstaltung von der EVLKS und der Kirchlichen Frauenarbeit der EVLKS sowie die beiden Grußworte und die Einladung zur Konferenz können hier angesehen und heruntergeladen werden:

Kathrin Wallrabe (Gleichstellungsbeauftragte der EVLKS im Landeskirchenamt) sagt als Mitglied der AG KfDM dazu:

„Als Teilnehmerin der Veranstaltung unterstütze ich die Presserklärung der Landeskirche. Allerdings wäre es auch ohne das Grußwort von Frau Klatte nicht zu Gewaltverherrlichung durch ein kirchliches Bildungswerk gekommen. Der Workshop 4 wurde durch Erik Panzig geleitet, Frau Nagel war als Gast eingeladen. Es waren 7 Personen Teilnehmerinnen, eigentlich alles kirchliche Mitarbeiterinnen und eine Pressevertreterin. Die Tagesordnung der gesamten Veranstaltung bezog sich auf den Frauenkongress vor 30 Jahren mit dem Rückblick auf Möglichkeiten und Grenzen von Frauensolidarität heute. Immer noch gib es Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen mit entsprechendem Armutsrisiko im Alter, es gibt Gewalt gegen Frauen (und kein evangelisches, bzw. diakonisches Gewaltschutzprojekt in Sachsen), es Rückschritte bei Debatten um Gender- bzw. Geschlechtergerechtigkeit. In Workshop 4 wurde über die Lebenssituation in Connewitz berichtet, über die Stigmatisierungen in diesem Stadtbezirk. Es wurde auch über die besagte Demonstration mit Solidaritätsbekundungen für Lina E. berichtet. Es wurde nicht beschönigt, dass junge Menschen auch falsche Ideale suchen. Bedauert wurden die fehlenden Zwischenräume für eine eigene Meinungsbildung, fern von der schnellen Erregungsspirale. Es fehlen Bildungsangebote, ganz besonders im ländlichen Raum. Diskutiert wurde die Berichterstattung zum Fall Lina E.. Es scheint immer noch mit Rollenbildern zusammenzuhängen, dass über Gewalt, die von Frauen ausgeht, reißerischer und sexistischer berichtet wird (Minirock ect.). Die Gewalt, die seitens der Männer im Raum steht, wird nicht thematisiert.

Wir können das Thema gern mit im Theologen-/Juristenkreis diskutieren. Mich irritiert auch die Einladung von Olaf Latzel zum Chemnitzer Bibelseminar durch die Landeskirchliche Gemeinschaft. Die Landeskirchliche Gemeinschaft ist eng mit der Landeskirche verbunden. Dr. Jörg Michel ist außerdem berufenes Mitglied der Landessynode. https://www.evangelisationsteam.de/veranstaltungen/chemnitzer-bibelseminar/

Olaf Latzel wurde wegen Volksverhetzung verurteilt. Ich wurde schon mehrfach wegen dieser Einladungen nach Sachsen angesprochen.“

Bildautorin der verwendeten Bildmaterialien in diesem Beitrag: Ellen Isabell Richter